Auf den Urlaubsfotos sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich: bunte Häuser, die eine Steilküste hinabklettern, türkises Wasser, ein paar Boote im winzigen Hafen. Die ligurischen Cinque Terre im Nordwesten und die kampanische Amalfiküste im Süden landen darum gern gemeinsam auf der Wunschliste. Wer beide kennt, weiß: Beim Urlaub mit Meerblick sind das zwei sehr unterschiedliche Welten. Welche besser passt, hängt an ein paar konkreten Fragen.
Cinque Terre – fünf Dörfer, kaum ein Hotel
Die Cinque Terre sind fünf winzige Fischerdörfer – Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore (unser Titelbild zeigt Vernazza) –, die in engen Schluchten zum Meer hin liegen. Klassische Hotels gibt es hier fast keine. Man wohnt in privaten Ferienwohnungen, oft in alten, hohen Häusern ohne Aufzug. Die Dörfer sind weitgehend autofrei; angereist wird mit dem Zug, der durch Tunnel von Ort zu Ort fährt.
Beim Meerblick muss man hier genau hinschauen. Die Häuser stehen zwar steil übereinander, aber die Hauptgassen ziehen die Schlucht landeinwärts hinauf – viele Fenster blicken auf die Gasse, nicht aufs Wasser. Die echten Meerblick-Wohnungen liegen an den seitlichen Hängen oder direkt über dem Hafen: etwa die Casa Teresa am äußersten Ende der Hafenpiazza von Vernazza oder die Apartments an der oberen, seeseitigen Belvedere-Gasse von Manarola. Genau solche Häuser haben wir herausgesucht.
Amalfiküste – die Heimat der Klippenhotels
Südlich von Neapel funktioniert die Küste anders. Hier reiht sich ein Klippen-Grandhotel ans nächste, und in Orten wie Amalfi, Positano und Ravello schaut fast jedes Zimmer aufs Tyrrhenische Meer. Das ist die Region der großen Namen: das Santa Caterina über Amalfi mit dem Glasaufzug hinab zum Privatstrand, Le Sirenuse mitten in Positano, das Palazzo Avino hoch über Ravello. Die meisten dieser Häuser haben eine eigene, klar buchbare Meerblick-Kategorie und – im Unterschied zu den Cinque Terre – einen Aufzug.
Angereist wird über die berühmte, kurvige Küstenstraße SS163, per Bus oder im Sommer bequem mit der Fähre. Das Preisniveau liegt deutlich über dem der Cinque Terre. Dafür bekommt man Hotelservice statt Selbstversorger-Wohnung.
Der direkte Vergleich
Auf den Punkt gebracht:
- Meerblick: An der Amalfiküste ist er zuverlässiger und klar als Zimmerkategorie ausgewiesen. In den Cinque Terre entscheidet die genaue Lage der Wohnung – mehr Rechercheaufwand, dafür mehr Charme.
- Unterkunft: Amalfi heißt Hotel und Suite, Cinque Terre heißt Ferienwohnung und Selbstversorgung.
- Anreise: Cinque Terre per Zug, autofrei, alles zu Fuß. Amalfi über die Küstenstraße, per Bus oder Fähre.
- Preis: Die Cinque Terre sind im Schnitt günstiger, die Amalfiküste spielt in der Luxusklasse.
- Treppen: Steil sind beide. Aber an der Amalfiküste nimmt einem der Hotelaufzug die Höhenmeter ab – in den Cinque Terre selten.
Für wen welche Küste?
Die Cinque Terre passen zu Ihnen, wenn Sie gern wandern, gut zu Fuß sind, eine eigene Wohnung dem Hotel vorziehen und das Geld lieber in den Trattorien lassen als im Zimmer. Die fünf Dörfer hängen an einem der schönsten Küstenwanderwege Europas, und abends wird es ruhig, sobald die Tagesgäste im Zug zurück sind.
Die Amalfiküste ist die richtige Wahl, wenn Sie Hotelkomfort und einen garantierten Meerblick wollen, gern essen gehen und das Kochen im Urlaub anderen überlassen. Wer schlecht zu Fuß ist, fährt fast immer besser an die Amalfiküste – wegen der Aufzüge. Mehr dazu in unserem Beitrag über Meerblick ohne Treppensteigen.
Lässt sich beides verbinden? Theoretisch ja, praktisch liegen rund sechs Stunden Fahrt dazwischen – die Cinque Terre im ligurischen Nordwesten, die Amalfiküste südlich von Neapel. Für eine Woche entscheidet man sich besser für eine der beiden Küsten und lernt sie richtig kennen, statt einen langen Umzugstag einzuplanen.