Im August ist die Promenade voll, das Hotel ausgebucht und der Preis auf dem Höhepunkt. Vier Wochen später sieht dieselbe Bucht ganz anders aus: Die Familien sind zurück in der Schule, die Strandliegen halb leer – und das Meer ist wärmer als im Hochsommer. Der September gehört zu den besten Monaten für einen Urlaub mit Meerblick, und über viele Ziele lässt sich das bis tief in den Oktober sagen.
Warum das Meer im September wärmer ist als im Juni
Das klingt verkehrt, stimmt aber. Wasser speichert Wärme viel länger als Luft. Über den ganzen Sommer heizt die Sonne das Mittelmeer langsam auf, der Höchststand wird erst im Spätsommer erreicht. Im Juni liegt die Wassertemperatur an den meisten Küsten bei 21 bis 23 Grad – angenehm, aber frisch. Im September sind es im Schnitt 24 bis 26 Grad, an den wärmsten Küsten mehr. Die Luft kühlt schon ein wenig ab, das Wasser hält die Sommerwärme. Diese Mischung – warmes Meer, milde statt drückende Hitze – macht den Reiz aus.
Wo es bis in den Oktober warm bleibt
Je weiter südöstlich, desto länger die Saison. Vor der türkischen Südküste und den griechischen Inseln wie Rhodos klettert das Wasser im September auf rund 26 bis 27 Grad und bleibt auch im Oktober badewarm. Santorini und Mykonos verlieren im September ihren ärgsten Wind und einen Großteil der Kreuzfahrt-Tagesgäste. In Süditalien hält der Spätsommer ebenfalls lange an – auf Sizilien etwa in Taormina (unser Titelbild) oder im normannischen Cefalù, wo das Tyrrhenische Meer bis in den Oktober angenehm bleibt.
Der goldene Oktober am westlichen Mittelmeer
Am westlichen Mittelmeer kühlt das Wasser etwas früher ab, der Oktober bleibt aber mild. Auf Mallorca kann man in den ruhigen Buchten der Ostküste oft bis in den Oktober baden, und die Insel zeigt sich ohne den Ballermann-Trubel von ihrer stillen Seite. An der andalusischen Costa del Sol und an der Côte d’Azur rund um Nizza sind die Septembertage noch sommerlich, die Preise aber schon spürbar gefallen.
Kanaren und Madeira – der Herbst ist die beste Zeit
Eine Sonderrolle spielen die Kanaren und Madeira im Atlantik. Hier ist es das ganze Jahr mild, doch der Herbst ist oft die angenehmste Zeit überhaupt: Der Passatwind, der im Hochsommer für ständige Brise sorgt, lässt nach, das Wasser ist mit gut 23 Grad am wärmsten. Wer im Oktober Sonne und Meerblick sucht und nicht ans Mittelmeer gebunden ist, liegt auf Gran Canaria oder in Funchal goldrichtig.
Was der Spätsommer mit dem Meerblick-Zimmer macht
Ein schöner Nebeneffekt der Jahreszeit: Die Sonne steht im September tiefer. Auf einem nach Westen gerichteten Balkon bedeutet das langes, goldenes Abendlicht über dem Wasser – die schönste Stunde des Tages, im Hochsommer oft vom Dunst verschluckt. Die See ist nach den ruhigen Sommerwochen meist glatt. Und weil viele Hotels die Hauptsaison-Preise senken, ist ein gutes Meerblick-Zimmer im September häufig für deutlich weniger zu haben als noch im August. Früh buchen lohnt sich trotzdem: Die ersten Reihen sind auch im Spätsommer schnell weg.
Tipp zur Planung: Je später im Jahr, desto weiter südöstlich sollte das Ziel liegen. Für Oktober sind die Türkei, Rhodos, Sizilien und die Kanaren die sicheren Bänke; das westliche Mittelmeer ist dann eher etwas für milde Tage als fürs ausgiebige Baden. Achten Sie bei der Buchung auf die Himmelsrichtung des Balkons – nach Süden oder Westen für die Abendsonne.