Die Orte mit dem zuverlässigsten Meerblick sind ausgerechnet die unbequemsten. Positano, Santorini, die Cinque Terre – überall dort schaut fast jedes Zimmer aufs Wasser, weil sich die Häuser eine senkrechte Klippe hinaufstapeln. Genau das ist der Haken. Wo der Blick so gut ist, liegt zwischen Hafen, Zimmer und Restaurant fast immer eine lange Treppe. Für junge Wanderer gehört das zum Charme. Für alle mit empfindlichen Knien, mit Rollkoffer, Kinderwagen oder Gehhilfe wird der Traumblick schnell zur täglichen Quälerei.
Es geht auch anders. An manchen Küstenorten nimmt man vom Taxi bis zum Balkon mit Meerblick kaum eine Stufe: flache Promenaden, ebenerdige Eingänge, Hotels mit Aufzug bis in die oberste Etage. Diese Orte stehen seltener auf den Postkarten. Sie sind dafür genau das Richtige, wenn der Weg zum Blick nicht wehtun soll.
Warum die schönsten Meerblick-Orte die anstrengendsten sind
In unserem Beitrag über die Begriffe rund um den Meerblick haben wir die Klippendörfer gefeiert: In Positano oder am Calderarand von Santorini ist Meerblick praktisch garantiert. Der Preis dafür steht in keinem Prospekt. Positano hat keine richtige Hauptstraße, nur Treppen und steile Gassen; vom Strand zum höher gelegenen Hotel sind es oft mehrere Hundert Stufen. Auf Santorini kleben viele Häuser am Caldera-Hang, erreichbar nur über schmale Treppenpfade, die der Gepäckträger mit dem Koffer auf der Schulter nimmt. Wer gut zu Fuß ist, merkt das kaum. Wer es nicht ist, sollte vorher genau wissen, worauf er sich einlässt – oder gleich einen flacheren Ort wählen.
Die flachen Riviera-Promenaden
Die alten Seebäder der Belle Époque wurden für Kurgäste gebaut, die gemächlich am Wasser entlangflanieren wollten. Deshalb steht hier die Hotelzeile eben neben einer breiten Uferpromenade, und die Grandhotels haben seit über hundert Jahren Aufzüge.
Nizza ist das beste Beispiel. Die Promenade des Anglais zieht sich schnurgerade und flach an der Baie des Anges entlang, die großen Häuser stehen mit der Front zum Meer. Das Hotel Le Negresco an der Nummer 37, das Hyatt Regency Palais de la Méditerranée und das Westminster führen jeweils eigene, buchbare Vue-mer-Kategorien – und alle einen Aufzug. Vom Hoteleingang bis zur Promenade ist es ebener Boden.
Dasselbe Prinzip an der kroatischen Adria: In Opatija läuft die Uferpromenade Lungomare direkt unter den Grandhotels entlang. Das Hotel Kvarner von 1884 – das älteste Grandhotel der Adria –, das Hotel Ambasador und die Häuser des Amadria Park stehen alle an dieser flachen Strandstraße und haben feste Sea-View-Zimmer. Auch Menton kurz vor der italienischen Grenze besitzt seine flache Promenade du Soleil. Hier lohnt allerdings der zweite Blick, weil viele Häuser eine Querstraße landeinwärts oder am Hang im Grünen liegen.
Moderne Resorts mit Aufzug
Noch unkomplizierter wird es auf den Kanaren. Die großen Strandresorts dort sind in den letzten Jahrzehnten entstanden, von Anfang an mit Aufzügen, Rampen und ebenen Zugängen. Auf Gran Canaria liegt das Hotel Faro an der flachen Meloneras-Promenade von Maspalomas in erster Reihe, mit ausgewiesenen Meerblick-Zimmern. An der Costa Adeje auf Teneriffa haben das Bahía del Duque und das Jardines de Nivaria eigene Sea-View-Kategorien und weitgehend ebenen Zugang zum Strand der Playa del Duque.
Sogar im hochgebauten Benidorm trägt die Idee: Die Promenade an der Playa de Levante ist topfeben, und die Apartmenttürme haben schnelle Aufzüge. Vom oberen Stockwerk eines Hauses wie Gemelos 2 schaut man über die ganze Bucht – ohne eine einzige Stufe, sobald man im Gebäude ist.
Funchal – bergig, aber clever gelöst
Funchal auf Madeira ist auf den ersten Blick ein Gegenbeispiel: Die Stadt klettert steil einen Berghang hinauf. Die guten Hotels aber liegen unten an der Avenida do Infante und auf den Klippen über dem Atlantik, und es sind moderne Häuser mit Aufzug. Das Savoy Palace, das Cliff Bay und das berühmte Reid’s Palace bringen einen per Lift von der Lobby bis aufs Zimmer, teils sogar hinunter bis zur Badeplattform am Wasser. Den Höhenunterschied erledigt hier die Technik, nicht das Knie.
Vor der Buchung fragen: Hat das Haus einen Aufzug bis zu Ihrer Etage? Wie viele Stufen führen von der Straße zum Eingang und zur Rezeption? Gibt es eine Schwelle vom Zimmer auf den Balkon? Und ist der Weg zur Promenade oder zum Strand eben oder geht es über Treppen? Vier kurze Fragen per E-Mail an die Rezeption ersparen die böse Überraschung vor Ort.
Ein Wort zur Ehrlichkeit
„Flach“ und „mit Aufzug“ heißt nicht automatisch „rollstuhlgerecht“. Echte Barrierefreiheit nach Norm – stufenlose Bäder, breite Türen, Notrufsysteme – muss man beim Haus konkret erfragen. Was diese Orte bieten, ist ein leichter Weg zum Blick: Sie ersparen das tägliche Treppensteigen, das die Klippendörfer mit sich bringen. Welche Zimmer in welchem Haus den Meerblick haben, steht bei uns auf jeder Orts-Seite – am besten beginnen Sie an der Mittelmeerküste oder den Kanaren.